Burnout

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Auch wenn der Begriff Burnout in vieler Munde ist, gibt es für dieses, alles andere als neue, Phänomen keine klare Definition. Der Begriff Burnout umschreibt vielmehr eine Reihe von Symptomen. Allen voran gelten Erschöpfung, Depression, aber auch eine sehr gesenkte Reizschwelle, mit entweder cholerischen oder phflegmatischen Reaktionen als Zeichen eines Burnouts. Die Ursachen werden vor allem als psychische eingestuft und beschreiben damit das Dilemma dieser Diagnose, da Burnout auch synonym für psychisch gestört wahrgenommen und entsprechend gesellschaftlich gerne reflexartig abgewertet wird.

 

Kultivierte Volkskrankheit

Die Medizin ist sich noch sehr uneinig, wie sie mit dem Thema umgehen soll, steht aber vor dem Problem, dass das Phänomen, das sich vor allem durch Arbeitsunfähigkeit auszeichnet, gesundheitsökonomisch und gesundheitspolitisch zu einem ernsten Thema geworden ist. Nicht zuletzt, weil die Zahl der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, aufgrund psychischer Überbelastung oder Störung, immer mehr zunimmt.

Den meisten Patienten werden, neben Ruhe und einer Auszeit, gerne Psychopharmaka verschrieben. Also stereotyp zunächst ein Medikament verordnet, mit dem der Zustand bzw. das Symptom manipuliert wird.

Dabei drückt ein Burnout vor allem eine Überforderung aus. Eine Überforderung, die nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass Menschen immer mehr in die Anpassung getrieben werden und an vielen Stellen nur noch als Leistungsversprechen, als Ressource angesehen sowie anerkannt werden, wenn sie diese erwartete Leistung erbringen. Je mehr ein Mensch zu leisten vermag, umso mehr wird ihm oft abverlangt.

Aber noch mehr leiden die Menschen darunter, dass sie nicht gesehen, nicht wahrgenommen werden. Was sich auch darin äußert, dass sie sich in den sozialen Netzen permanent darstellen und inszenieren müssen, in der Hoffnung, auf Resonanz zu stoßen - vorzugsweise positive Resonanz. Da ist jedes "Like" wie ein Tropfen Balsam auf die ausgehungerte Seele. Wenn auch in etwa so flüchtig, wie ein leichtes Parfüm.

Die Überforderung im Burnout beschreibt auch immer einen Mangel. Einen Mangel an Aufmerksamkeit, Achtsamkeit, Balance, aber auch von Liebe und Zuneigung. Denn das sind die emotionalen Tankstellen, an denen wir uns holen können, was für uns so wichtig ist, was wir als Grundbedürfnisse aus dem Mutterleib mitbringen: Liebe und Gesehenwerden.

Üblicherweise genau das, was wir uns gegenseitig so wenig geben können. Nicht zuletzt, weil uns die Anpassung in die Egozentrik treibt und somit in die Unfähigkeit zu Empathie sowie anderen etwas zu geben. Denn Anpassung und Egozentrik - in seiner ausgeprägtesten Form auch als Narzissmus bekannt - macht uns in erster Linie bedürftig. Wir brauchen es, dass uns andere etwas geben, unseren Mangel auffüllen, ohne zu merken, dass das ein Fass ohne Boden ist. Die anderen sind aber ihrerseits bedürftig und ebenfalls oft nicht in der Lage, zu geben.

So entsteht ein Kreislauf, der natürlich vor der Arbeitswelt nicht Halt macht. Im Gegenteil sind unsere Büros und Chefetagen, genauso wie die anderen Arbeitsplätze, Austragungsorte, diese Themen in Stellvertetersituationen auszufechten, scheinbar unter professionellem Vorzeichen. Diskriminierungen aller Art - ob sexuell, gegen Menschen mit Behinderung, Homosexuelle oder andere - und Mobbing sind an der Tagesordnung und alles andere, als die Ausnahme.

Somit ist ein Burnout auch ein Ausdruck eines Umfeldes, das dem Menschen ganz und gar nicht guttut und/oder von Arbeitsbedingungen, die für den Organismus, inklusive der psychischen Gesundheit, nicht gut sind. In manchen Fällen zeigt es auch die Endstation einer unglücklichen Berufswahl auf. Entweder aufgrund der genannten Faktoren und/oder, weil der Inhalt in keiner Weise passt. So, wie beispielsweise Friseure, die mit einer Hautallergie reagieren und durch ihren Körper gezwungen werden, sich ein anderes Betätigungsfeld zu suchen.

Dass wir uns nicht zuletzt durch ein anerzogenes Sicherheitsbedürfnis gerne für Berufe entscheiden, die nicht nur nicht aus unserem Herzen kommen, sondern unserem Gefühl stark zuwider sind, komplettiert die Vorbedingungen, um sich in einem Burnout wiederzufinden, das immer eine ernste Warnung des Körpers ist, sich Gedanken über die eigene Situation zu machen und hinzusehen. Diese Warnung mit Psychopharmaka betäuben zu wollen, ist in etwa so, als würden wir versuchen, die Öllampe im Cockpit unseres Autos erwürgen zu wollen, nur, weil sie uns anzeigt, dass im Motor kein Öl mehr ist.

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