Dominieren müssen

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Oft begegnen uns Menschen, die dominieren müssen.

Eine Verhaltensform, die viele von uns als unangenehm erleben, da sie sich nicht zuletzt in aller Regel durch übergriffige Formen der Behandlung und Reaktionen anderen gegenüber ausdrückt. Oft lösen solche dominanten Menschen in uns Reaktionen aus, die sich nicht gut anfühlen.

Umgedrehtes Vorzeichen

Entweder sie bringen uns in die Konfrontation oder dazu, uns unterzuordnen.

In jedem Fall ist es quasi nicht möglich, einem dominanten Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, da Dominanz immer der Versuch ist, Macht über andere zu haben und sie zu den eigenen Bedingungen manipulieren zu wollen. Wobei es dafür auch noch ein anderes Wort gibt:

Kontrolle

Dominantes Verhalten hat immer den Sinn, andere kontrollieren, sie so steuern zu wollen, dass sie tun, was die dominierende Person will. Oft von dieser Person selbst unbeabsichtigt und ohne, dass sie es selbst bewusst merkt.

Aber diese Verhaltensform, das Dominieren-Wollen, einfach nur zu stigmatisieren und abstellen zu wollen, macht genauso wenig Sinn, wie für einen Alkoholiker, der durch eisernen Willen versucht, nicht mehr zu trinken. Denn egal, wie gut und lange dieser Versuch gelingt: früher oder später wird die Person rückfällig.

Der Grund hierfür ist sehr einfach. Weil das dominieren Wollen nur ein Symptom ist. Wenn es gelingt, dieses Symptom zu unterdrücken, bleibt die ihm zu Grunde liegende Ursache unberührt. Deswegen wird das Symptom unweigerlich wiederkehren. Und dann meist schlimmer, als zuvor. Wie ein Korken, den man unter Wasser drückt. Er wird unweigerlich zur Oberfläche streben, sobald er nicht mehr festgehalten werden kann.

Aber was steckt hinter Dominanz?

Sehr oft wird dominantes Verhalten reflexartig als stark und hart (neudeutsch auch tough) bezeichnet. Und das ist exakt der Sinn dieser Verhaltensform. Sie deutet immer auf sehr wenig Selbstbewusstsein hin, da sie im Grunde einen Schutzmechanismus darstellt. Sie soll den Eindruck vermitteln, dass die Person unangreifbar, stark und überlegen ist. Dafür wählt sie die unglückliche Strategie, den anderen überrollen zu wollen, ihn oder sie zu überwältigen, bevor ein Angriff seitens des Gegenübers überhaupt stattfinden kann.

Frei nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.

Dahinter steckt oft ein Mensch, der sehr verletzt, nicht selten selbst sehr stark dominiert wurde und das als Strategie für Unangreifbarkeit vorgelebt bekommen hat. Durch einen dominanten (oder gewalttätigen) Vater bzw. eine sehr männliche Mutter. Denn Dominanz ist eine männliche Eigenschaft. Bei Frauen ist sie dann zu beobachten, wenn diese sehr männlich sind und keinen wirklichen Zugang zu ihrer Weiblichkeit haben bzw. sich hinter männlichem Verhalten verstecken.

Paradoxerweise ist Dominanz oft ein kodierter Schrei nach Liebe und Anerkennung.

Natürlich erreicht der dominante Mensch in der Regel das exakte Gegenteil. Denn weder die sich unterwerfende, noch die konfrontativ reagierende Person kann liebevoll auf ein solches Verhalten antworten. Das ginge nur, wenn eine Begegnung auf Augenhöhe stattfinden würde - was im Falle der Dominanz, wie gesagt, per Definition nicht der Fall ist.