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Eifesucht

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Viele Menschen sind der Meinung, Eifersucht sei ein Zeichen von Liebe, eine Art Wichtigkeitsbarometer. Manche gehen sogar so weit zu behaupten, ein Mensch, der nicht eifersüchtig sei, würde nicht lieben und drücke durch das Fehlen der Eifersucht mangelndes Engagement aus.

Dabei weiß bereits der Volksmund zu sagen: "Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft."

Gerade bei jüngeren Menschen wird Eifersucht gerne als eine Art Messinstrument dafür gewertet, welchen Wert der aktuelle Bettgenosse für den anderen hat, wie wichtig sie sich sind und wie ernst ergo die Beziehung ist. Davon ausgehend, der Ernst und die Wichtigkeit müssten nur groß genug sein, um dieser Verbindung das Prädikat einer großen Liebe zu verleihen. Also das, was so ziemlich jeder sucht und im Zweifel auch gerne bereit ist, selbst unter Anwendung von emotionaler Erpressung und unerfüllbaren Erwartungen, zu versuchen zu erzwingen.

Und da sind wir auch schon beim Kern des Missverständnisses angelangt.

Eifersucht ist ein anderes Wort für Misstrauen.

Wenn ein Mensch eifersüchtig ist, also süchtig danach, sich zu ereifern, weil ein anderer sich nicht so verhält, wie er es erwartet, hat das nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Sucht - also Abhängigkeit. Per Definition sind Sucht und Liebe Gegensätze. Mehr noch drückt das Misstrauen nicht nur aus, dass keine Vertrauensbasis in der Beziehung selbst vorhanden ist, sondern vor allem ein nicht vorhandenes Selbst-Vertrauen. Und somit ist Eifersucht vor allem ein Ausdruck der Angst, selbst nicht genug, um ein vollwertiger, ausreichender Partner zu sein.

Die Eifersüchtigen versuchen ihr Gegenüber dazu zu zwingen, ihnen zu gehören, wollen besetzen und kontrollieren.

Aber was hat das mit Liebe zu tun?

Jedes einzelne dieser Worte - Zwang, Gehorsam, Besetzen und Kontrolle - sind das exakte Gegenteil von Liebe. Eine Liebe die erzwungen werden muss, ist keine Liebe. Zumal viele Menschen, die selbst zwanghaft eifersüchtig sind, notorisch fremdgehen. Sie drücken also mit ihrer Eifersucht nur das projizierte Misstrauen auf den anderen aus, das sie eigentlich sich selbst gegenüber empfinden. Natürlich sind Eifersüchtige nicht frei in ihrem Handeln. Es wird ihnen durch ihre Verlustangst aufgezwungen und oft wissen oder befürchten sie den Schaden, den ihr Verhalten anrichten wird, sind aber außerstande, anders zu handeln. Dieses Verhalten ist also im klassischen Sinne zwanghaft.

Zumal Eifersucht immer die Atmosphäre vergiftet und im Zweifel dafür sorgt, dass sich der meist zu unrecht Verdächtigte tatsächlich beginnt zu lösen und zu befreien. Sie ist wie ein Korsett des Misstrauens und der permanent latenten Unterstellung.

Wenn ein Partner wirklich nicht zu Verbindlichkeit in der Lage ist, hat das meist zwei Elementare Ursachen. Zum einen, dass er (noch) gar nicht zu wahrer Liebe fähig ist und zum anderen, dass in der Beziehung keine echte Nähe herrscht, die in der Tat notwendig für ein Gefühl des Zusammengehörens ist.

Und durch die Eifersucht entsteht hierbei zusätzlih ein Teufelskreis: Durch sie wird versucht, Verbindlichkeit sowie Nähe zu erzwingen und verhindert sie hierdurch zielsicher. Eine klassische, selbsterfüllende Prophezeiung.

Der Weg aus diesem Zwang ist das Verstehen von dessen Ursachen, also die Bewusstwerdung der ins Unterbewusste verbannten Wesensanteile und Erfahrungen, um sie hierdurch auflösen zu können. Ganz sicher ein aufwändiger und intensiver Prozess. Aber nur, wenn es dem Eifersüchtigen gelingt, seine Ängste loszulassen und deren Ursachen aufzulösen, geht hierdurch auch der Grund für dieses zwanghafte Verhalten.