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Bei vielen Menschen ist die Angst, wieder nicht den/die Richtige/n erwischt zu haben, sehr präsent. Besonders, wenn sie sich noch nicht lange kennen und die Unsicherheit, gepaart mit der Hoffnung, endlich den einen Menschen gefunden zu haben, mit einander um die Vorherrschaft in der bewussten Wahrnehmung ringen.

Die zwei schwierigsten Faktoren in diesem Kontext sind Erwartungen und bereits gemachte Erfahrungen.

Wobei Erwartungen zum Teil das Ergebnis dieser bereits gemachten Erfahrungen sein können und gerne als eine Art Anforderungskatalog präsentiert werden, die eine neue Begegnung erstmal erfüllen muss, um sich als potenziell geeignet zu qualifizieren. Was dahinter steckt, ist der Versuch, sich davor zu schützen, bereits gemachte, negative Erfahrungen zu wiederholen. Oder in einem Wort: Kontrolle.

Nur ist Kontrolle eine Illusion.

Entsprechend gehen diese Versuche, jemanden erstmal zu prüfen und sicherzustellen, dass er/sie nicht verletzend ist, mit überwältigender Regelmäßigkeit schief. Aber die Frage ist natürlich, warum? Und was können wir dagegen tun, um nicht immer wieder in diese Falle zu tappen?

Der erste wichtige Schritt ist, nicht jemanden abzuwehren, sondern unvoreingenommen zuzulassen und - sehr wichtig - sich aufrichtig zu zeigen, anstatt sich zu inszenieren. Aber noch viel wichtiger ist, sich über das eigene Gefühl klar zu werden. Allzu gerne und entsprechend oft erlebe ich Menschen in einer Projektion. Sie wollen unbedingt, dass es endlich diese eine Begegnung ist und sind nur allzu gern bereit, sich den anderen in der eigenen Wahrnehmung so hinzubiegen, dass es zu passen scheint. Gleichzeitig wird der andere mit den eigenen Ängsten konfrontiert - wenn auch nur selten offen und direkt. Hierdurch entsteht ein enervierender Spannungsbogen, der gerne kompliziert und als ausgesprochen unentspannt erlebt wird. Die typischen "schwierigen" Beziehungssituationen.

Die Crux an der Angelegenheit ist, dass wahre Liebe nicht entsteht, nicht wächst, nicht durch diese oder jene Verhaltensweise erzeugt werden kann. Sie ist da oder eben nicht. Schwarzweiß. Sie lässt sich nicht erzwingen und erst recht nicht verdienen. Sie kommt, wenn wir bereit für sie sind. Wirklich bereit.

Wenn wir sie nicht spüren - von Anfang an -, wird sie auch nicht kommen.

In einem solchen Fall haben wir die Wahl, den anderen dennoch zuzulassen und mit ihm/ihr eine schöne Zeit zu gestalten. Dagegen spricht nichts, wenn sich beide nicht mit Erwartungen erdrücken und versuchen aus dem anderen etwas zu machen, was er/sie nicht ist. Das wiederum erfordert Offenheit und absolute Klarheit, die eigenen Gefühle betreffend. Ob wir der wahren Liebe begegnen können, wenn wir uns in einer solchen Konstellation befinden, ist schwer zu sagen. Einerseits sollte es kein Problem sein - es sei denn die Eitelkeit des anderen wird verletzt, wenn einer von beiden dieses Konstrukt verlässt, weil er/sie wahrhaftig der Liebe begegnet - anderseits ließe sich argumentieren, dass die Energie blockiert sein könnte, wenn jemand nicht "frei" ist.

Aber das wichtigste ist und bleibt die Voraussetzung, um der wahren Liebe zu begegnen: die aufrichtige Selbstliebe.

Erst, wenn wir uns wirklich, wahrhaftig und aufrichtig selbst lieben, können wir auch einen anderen Menschen wirklich lieben und - wieder sehr wichtig - wirklich geliebt werden. Alles andere ist Projektion. Also der absolute Normalfall. Und nein, Selbstliebe hat nichts mit Narzissmus und Selbstverliebtheit zu tun. Wer tiefer in dieses Thema einsteigen möchte, dem empfehle ich mein Buch "Wahre Liebe ist kein Zufall" (siehe unter Veröffentlichungen).