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Eltern gelten unverändert in so ziemlich jedem Kulturkreis als heilig, als unantastbar und es sind sich so ziemlich alle darüber einig, dass wir sie unter keinen Umständen anklagen dürfen - gleichgültig, was sie uns angetan haben. Besonders, wenn sie bereits alt und zerbrechlich sind, ist für viele eine Konfrontation völlig ausgeschlossen.

Das Elterntabu ist ein Begriff, der von Alice Miller geprägt wurde und im Grunde der Kern ihres Lebenswerkes darstellt.

Sie war die Erste, die dieses Tabu in der psychologischen Literatur gebrochen und dafür sehr viel Kritik sowie Anfeindung geerntet hat - besonders von ihrem Fachkollegium (heute würde man das neudeutsch einen Shitstorm nennen). Ganz sicher auch, weil sie in ihren Werken aufzeigt, wie besonders dieses Fachkollegium ihre eigene Elternsituation zudecken und das Thema Erziehung im Umgang mit Patienten/Klienten verleugnen muss.

Dabei kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es eine essenzielle Etappe auf meinem Weg der Aufarbeitung war, mich dem Elterntabu zu stellen, es zu brechen und massiv in die Anklage zu gehen. Wohl wissend, wie viele Menschen diese Worte bis ins Mark erschüttern und empören.

Das liegt vor allem daran, dass wir von klein auf darauf abgerichtet werden, wie unantastbar unsere Eltern sind. Nicht zuletzt, weil sich viele von uns deren "Liebe" verdienen müssen und lernen, dass sie sie auf keinen Fall infrage stellen dürfen. Wagen wir es, werden wir oft mit Liebesentzug bestraft und verinnerlichen so sehr schnell, dass wir das sein zu lassen haben.

In allem, was uns umgibt, spiegelt sich diese Haltung wider. Sie ist kulturimmanent. Sei es im vierten Gebot, sei es in dem, was wir Tradition nennen und artig immer und immer wiederkäuen - unreflektiert sowie nicht hinterfragt. Kinder und Jugendliche, die aus der Reihe tanzen, werden sanktioniert. Nicht nur von den Eltern, sondern auch von allen anderen Erziehern.

Wir finden das Eltern-Kind-Schema auf jeder Ebene unserer Gesellschaft - wenn wir genau hinsehen. Ob in der KiTa, in der Schule, im Beruf, oder in der Politik, in der uns Akademiker 3. Grades, die in keinem Job ein Bein auf die Erde bekommen würden, behandeln, wie kleine Kinder. Und auch auf diesen Ebenen ist es nicht gerne gesehen, infrage zu stellen.

Wie wichtig es ist, sich diesem Thema zu stellen und warum, wird Inhalt meines Webinars Elterntabu sein, in dem ich aufzeige, dass das Ausbrechen und auf die eine oder andere Weise Anklagen der Eltern, eine wesentliche Station auf einem Genesungsweg - oder dem Weg des Phoenix - ist.